Im Gesamtwerk von Thomas Mann setzt eine intensivere und kontinuierliche Beschäftigung mit Leben und Werk von Johann Wolfgang von Goethe erst in den 1920er-Jahren ein - also nach seinem klaren Bekenntnis zur Republik. Neben dem Goethe-Roman 'Lotte in Weimar' entstanden zahlreiche Essays, die häufig als Vorworte oder Festreden konzipiert waren, in denen er sich mit der herausragenden Bedeutung dieses Klassikers auseinandersetzt und dabei immer wieder auch vergleichende Perspektiven einnimmt. Goethe erscheint darin als deutscher Nationalschriftsteller und zugleich als Weltautor, als prägende Gestalt seiner Epoche und als eine Art 'Liebling der Menschheit'. Auf Thomas Mann übte er eine immense Faszination aus und diente ihm als wichtiges Vorbild - auch wenn eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Weimarer Dichter erst in seinen letzten drei Lebensjahrzehnten einsetzte. Acht ausgewählte Texte sind in dem vorliegenden Band gesammelt.